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Monday, 16. June 2003

Gewalt bewirkt niemals etwas Gutes ...

 

"Gewalt bewirkt niemals etwas Gutes, weder bei Menschen noch bei Hunden" Turid Rugaas

Davon bin auch ich überzeugt, denn mit Gewalt erreicht man nur Angst und Unsicherheit oder Gegengewalt und Aggression. Ich hörte das erste Mal von Turid Rugaas bei meinem Hundeseminar in München beim Deutschen Tierschutzbund und wollte mehr von dieser Fachfrau der Hundkommunikation erfahren. Als ich über das Internet erfuhr, dass Frau Rugaas in Grassau ein Wochenendseminar über ihre Arbeit abhielt, stand für mich fest, dass ich daran teilnehmen wollte.

Ich ließ mir dieses Seminar zum Geburtstag schenken und fuhr mit meinem Hund Laika im Februar nach Grassau. Zusammen mit vielen angehenden Hundetrainern, Tierpsychologen und Tierheimmitarbeitern aus ganz Deutschland erlebten wir in sehr gemütlicher Atmosphäre ein sehr interessantes und lehrreiches Wochenende.

Frau Rugaas arbeitet seit mehr als 30 Jahren hauptberuflich mit Hunden. Nach ihrer Trainerausbildung arbeitete sie zunächst in verschiedenen Vereinen, bis ihr die dort üblichen, starren Kursinhalte nicht mehr zusagten. Sie entwickelte ihre eigene Trainingsmethode, nahm erfolgreich an zahlreichen Prüfungen und Wettbewerben teil und beschäftigte sich u. a. mit der Ausbildung von Rettungshunden. Ende der achtziger Jahre begann sie zusammen mit einem Kollegen langfristig die Beschwichtigungssignale von Hunden zu erforschen. Sie beobachteten viele Jahre lang Hundegruppen und zeichneten alle Erfahrungen auf. Mit ihren Berichten über die Sprache der Hunde untereinander erregte sie großes Interesse und wurde auf viele Fachkongresse in der ganzen Welt eingeladen.

In ihrer Heimat Norwegen bildet sie Hundetrainer nach ihrer gewaltfreien Methode aus und unterhält eine Hundeschule für Problemhunde.

Es war für mich faszinierend, über wie viel Wissen Frau Rugaas verfügt. Sie begann ihren Vortrag mit Berichten über Forschungsergebnissen bei freilebenden Wolfsrudeln und unterstützte dies anschaulich mit Dias. Sie erzählte uns von David Mech, der einer der wenigen Wolfsbeobachter ist, der keine Gehegewölfe beobachtet, sonder Wölfe in freier Wildbahn. Es leuchtet ein, dass deren Verhalten viel ursprünglicher ist, als das Verhalten der Gehegewölfe. Es gibt viel weniger Aggressionspotential als bei einem Wolfsrudel, das in Gefangenschaft lebt. Teamarbeit und soziales Gefüge sind für ein Wolfsrudel in der Natur überlebenswichtig, denn nur zusammen können sie Beute schlagen und überleben. Ein Wolf allein kann z.B. keinen Moschusochsen erlegen. Würden die Wölfe durch Rangkämpfe zu viele Verletzungen davontragen, wäre das für den Jagderfolg und das Überleben des ganzen Rudels fatal. Nicht der aggressivste Wolf ist der Rudelführer, sondern der souveränste und sicherste Wolf hat das Sagen im Rudel. Der Wolf, der mit seiner Kraft, Intelligenz und dem souveränsten Gefühl die Sicherheit und Ruhe im Rudel aufrecht erhält, wird vom Rudel als Rudelführer akzeptiert. Die Wölfe fühlen sich alle der Aufzucht der Welpen verpflichtet. Niemals wurde beobachtet, dass Wölfe Welpen im Genick packen und als Bestrafung schüttelten. Wenn die Welpen am Genick gepackt wurden, dann nur um sie zu transportieren.

Kleine Beutetiere werden zum Töten geschüttelt. Wenn Wölfe ihre Jungen zurechtweisen, packen sie mit ihrer Schnauze über die Schnauze der Welpen und drücken sie auf den Boden. Würden sie die Jungen schütteln, würden sie ihnen Tötungsabsicht signalisieren. Leider wurde in der Literatur zur Welpenerziehung oft das Schütteln am Genick als Strafe empfohlen.

Durch das genaue und lange Beobachten der verschiedenen Hundegruppen fand Turid Rugaas heraus, dass die Hunde über eine ganze Anzahl von Signalen verfügen, um miteinander zu kommunizieren. Hunde mit langen Haaren, die die Gesichtsmimik verdecken, können genauso mit Hunden, die kurzhaarig sind, über andere Signale sich verständigen. Wenn der Mensch diese Signale verstehen lernt und anwendet, wird er feststellen, dass der Umgang mit Hunden für ihn leichter wird.

Turid Rugaas konnte bei den Hunden, die einige Halter mitgebracht hatten, genau vorhersagen, wie sie auf ein bestimmtes Signal oder Verhalten von ihr reagieren würden. Fasziniert beobachteten wir, dass sie genau recht behielt. Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wenn ich auf die Vielzahl der Signale eingehen müsste. Jeder weiß zwar, dass Hunde Beschwichtigungssignale aussenden, wie detailliert und fein aufeinander abgestimmt sie aber sind, wird vom Menschen häufig übersehen. Die Signale werden von den Hunden zur Vorbeugung von Konflikten eingesetzt. Sie sollen Probleme vermeiden, Stress und Unruhe abbauen und werden zwar von Hunden, aber von Menschen oft falsch verstanden und interpretiert. Oft bestrafen wir aus Unverständnis unsere Hunde für ein Verhalten, dass aus Hundesicht ganz normal wäre.

Als kleines Beispiel: Wenn Sie Ihrem Hund voller Zorn und Aggression ein Kommando geben, werden Sie nicht selten sehen, dass der Hund wie festgefroren in seiner Position erstarrt und so aussieht, als hätte er überhaupt nichts gehört. Das hat nichts mit Dominanz oder Trotz zu tun - der Hund versucht ganz einfach, Ihren Ärger, Ihre Aggression zu beschwichtigen. Hören Sie auf, aggressiv zu sein! Wählen Sie eine andere Taktik - seien Sie freundlich, wenden Sie sich ab, hören Sie auf, bedrohlich zu wirken - und der Hund löst sich aus seiner Erstarrung und folgt. Solche Beispiele gibt es viele. Wer sich das Buch Beschwichtigungssignale der Hunde kaufen möchte, wird viele dieser Signale kennen lernen.

Bei diesem Vortrag habe ich erfahren, dass ich über die faszinierende Welt der Hundesprache noch sehr viel lernen und probieren muss, um noch besser die Hunde verstehen zu können. Ich wünsche mir, dass die Erziehungsmethoden für die Hunde in vielen Hundeschulen humaner werden und dass den Hunden mit Toleranz, Respekt, Liebe und Einfühlungsvermögen begegnet wird. Hunde brauchen keinen Kasernenhofton, um zu lernen. Freundliches, konsequentes Üben mit Belohnung, ausreichender Sozialkontakt mit Artgenossen und Erkennen und Erlernen der Hundesprache fördert das Verständnis zwischen Hunden und Hundehaltern. Angst kann Stress bei Hunden verstärken. Stress aktiviert die Verteidigungsbereitschaft, die wiederum mehr Angst beim Hund hervorruft. Wir müssen diesen Kreis durchbrechen, wenn wir etwas Positives erreichen wollen. Wählen Sie den besseren Weg, indem Sie auf jede Gewalt, übertriebene Bestrafung, Wut und Aggression gegenüber dem Hund verzichten. Fangen Sie an, beschwichtigende Signale einzusetzen und sich freundlich zu verhalten. (Nicht über den Hund gebeugt stehen, sich z. B. seitlich nähern, nicht durch Anstarren, Bedrohen usw.) Ihr Hund wird Sie verstehen und Ihnen antworten. Der Hund wird sich in ihrer Gegenwart sehr viel wohler fühlen.

Beim nächsten Seminar werde ich wieder dabei sein und lernen. Es gibt kein Patentrezept für den Umgang mit Hunden und manches Verhalten wird für uns unerklärlich ableiben. Die Situation der Tierheimhunde ist sicher auch anders zu bewerten als Hunde im Privatbesitz. Ich habe aber nach dem Seminar unsere Hunde im Tierheim öfters beobachtet und viele Signale wiedererkannt. Mit ängstlichen Hunden finde ich jetzt besser Kontakt als vorher. Hunde, die aggressiv reagieren, kann ich noch nicht so einschätzen, ich glaube aber, dass es noch viel Beobachtung und Übung erfordert und auch dann ist es möglich, diesen Hunden in ihrer Sprache entgegen zu kommen.

Claudia Binder Tierheimleiterin
Wenn Du mit den Tieren sprichst,
werden Sie mit Dir sprechen,
und Ihr werdet Euch kennenlernen.
Wenn Du nicht mit Ihnen sprichst,
dann werdet Ihr Euch nie kennenlernen.
Was Du nicht kennst, wirst Du fürchten.
Was Du fürchtest, zerstörst Du!

Häuptling Dan George

Wenn Du mit den Tieren sprichst,
werden Sie mit Dir sprechen,
und Ihr werdet Euch kennenlernen.
Wenn Du nicht mit Ihnen sprichst,
dann werdet Ihr Euch nie kennenlernen.
Was Du nicht kennst, wirst Du fürchten.
Was Du fürchtest, zerstörst Du!

Häuptling Dan George

Letzte Aktualisierung ( Sunday, 10. September 2006 )
 
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