Pflicht zur Hundeschule für jeden Hundehalter?
Tuesday, 11. January 2005

Pflicht zur Hundeschule für jeden Hundehalter?

 

Pflicht zur Hundeschule für jeden Hundehalter?
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"Hundeschule? Brauch ich nicht! Die Probleme werden sich schon geben!"

Diese Antwort mancher Hundehalter bringt mich eigentlich direkt auf die Palme. Wenn man sich dann die Tiere der entsprechenden Personen anschaut, weiß man auch warum - sie machen bei ihren Hunden so ziemlich alles falsch, was nur geht und wundern sich dann, warum sie überhaupt Probleme haben.

Und ich spreche hier nicht nur von Hundehaltern, die sich den ersten Hund in ihrem Leben halten - nein - erschreckender weise sind hier viele Personen darunter, die schon den zweiten oder dritten Hund haben und von sich behaupten, sie hätten bereits große Erfahrung!

Die Kommunikation zwischen Tier und Mensch ist wesentlich komplizierter, als man es sich vorstellen kann. Auf einfachen Nenner gebracht: Versuchen Sie doch mal, mit einem anderen Menschen zusammenzuleben, dessen Sprache Sie nicht verstehen und dessen Befehle Sie ausführen sollen, damit er Ihnen etwas zu Essen gibt! Und dabei sind die menschlichen Gesten - unabhängig von der Nationalität - noch ziemlich identisch. Ihr Hund versteht zu Beginn seiner Ausbildung weder Ihre Sprache noch Ihre Gesten! Um beides zu ermöglichen braucht man viel Liebe und noch viel mehr Geduld.

Natürlich ist die Tierliebe erste Voraussetzung für die Haltung, Aber: man kann aufgrund von Tierliebe vieles richtig machen, aber auch sehr viel verkehrt. Man muss sich einfach davon verabschieden, dass der Hund generell unsere Gesten und Worte in unserem Sinne versteht. Leider nehmen sich die wenigsten Hundehalter die Zeit, sich mit dem Rudelleben ihres vierbeinigen Freundes zu befassen und pressen den Hund in eine Rolle, die er ohne richtige Hilfe einfach nicht ausfüllen kann. Und was kommt dabei heraus: zum Teil völlig verhaltensgestörte Tiere, die für schlechte Schlagzeilen und überfüllte Tierheime sorgen!

Ich wage hier die Behauptung aufzustellen, dass die Hundeabteilungen der Tierheime nur halb so voll wären, wenn die Halter bereit wären, sich mit professioneller Hilfe weiterhelfen zu lassen. Die meisten Menschen geben doch nur deshalb einen Hund im Tierheim ab, weil sie nicht mehr damit zu recht kommen oder Probleme mit Nachbarn u. a. bekommen. Nur die wenigsten werden wegen Tod, Scheidung oder Vermieterauflagen abgegeben.

Dabei wäre alles so einfach.

Ziel jeder Hundeschule ist es doch, den Hund zu einem unauffälligen, gehorsamen Begleiter des Besitzers zu formen und beginnende Probleme und Verhaltensstörungen gleich im Ansatz zu bekämpfen. Wenn Hundehalter mir sagen, die Hundeschule hätte nichts gebracht, dann liegt das meistens an zwei Dingen: mangelndes konsequentes Handeln und zu wenig Geduld. Es ist generell die Schuld des Halters und nicht des Hundes, wenn ungewollte Verhaltesweisen des Tieres nicht abgebaut werden konnten. Wie bei einem Kind bleibt mir auch beim Vierbeiner tägliches Üben in der Anfangsphase des Erlernens nicht erspart, und auch später sollten die Übungen regelmäßig wieder abgeprüft werden. Das ist den meisten dann zu viel und der Schlendrian setzt ein. Wenn ich einen gut erzogenen Hund haben will, dann muss ich auch selber etwas dafür tun, von alleine kommt nichts.

Bei Hunden mit schlechter Vorgeschichte kann ich nur dringend die Anmeldung bei einer guten Hundeschule empfehlen - nicht etwa, dass ich den Haltern die Fähigkeit absprechen möchte, die Probleme selber in den Griff zu bekommen - nein, ich musste an vielen Tieren feststellen, dass der psychische Heilungsprozess wesentlich schneller vorangeht in einem Hundeschulerudel, in dem völlig unbelastete Hunde mit Problemhunden gemischt werden. In der Gruppe geht vieles leichter. Selbst für Hunde mit gestörtem Sozialverhalten (notorische Raufer) gibt es in der Hundeschule einen Platz, man sollte sich dadurch nicht abschrecken lassen.

Viele Hundehalter sind der Meinung, sie stellen sich ein Armutszeugnis aus, wenn sie sich in einer Hundeschule anmelden, frei nach dem Motto, ich bin zu blöd einen Hund zu erziehen. Ich kann nur sagen, weit gefehlt. Diese Menschen leiden eher an Selbstüberschätzung. Viele meiner Freunde und Bekannten, die ebenfalls mit Hunden groß geworden sind und immer Hunde hatten, schämen sich keineswegs, mit ihren Hunden in der Hundeschule oder im Hundeverein die entsprechenden Kurse zu besuchen, denn sie kennen alle die Wirkung ganz genau und wollen nicht darauf verzichten.

Die Hundeschule gibt neben der wertvollen Erziehung des Hundes auch die Gelegenheit, mit anderen Hundebesitzern Kontakte zu knüpfen, Tipps auszutauschen und auch die Möglichkeiten in Hundesportarten wie Agility und Obidience einzusteigen. Wer dann noch weiteres Interesse hat, kann sich in den Hundevereinen noch am Tuniersport beteiligen.

Bei der Anmeldung in einer Hundeschule sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass dort mit positivem Bestärken gearbeitet wird - nur so kann eine Ausbildung richtig funktionieren. Eine Erziehung mit Drill und Bestrafung führt nur zu einem schlechten Ergebnis.

Ich würde mir für Deutschland wünschen, dass die Absolvierung einer Hundeschule-Grundausbildung für jeden Hundehalter Pflicht werden würde - ähnlich wie für bestimmte Rassen bereits der Hundeführerschein. Es würde vielleicht endlich dazu beitragen, die zwischenzeitlich extrem hundefeindliche Stimmung in unserem Land wieder abzubauen und für ein harmonisches Zusammenleben mit unseren Vierbeinern zu sorgen.

B. Baumgartner

Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 12. September 2006 )