Schöne Weihnachten für die Ponys
Monday, 17. December 2007
Aus wackligen Notfällen sind zutrauliche Tiere geworden

Die Mühen haben sich gelohnt: Die Ponys wurden dem Tierschutzbund übereignet und können nun nach und nach vermittelt werden. Achtung! Die Ponys werden nicht über das Tierheim Feucht vermittelt, sondern über den Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Bayern. 

Einen Teil der Geschichte der Ponyrettung lesen sie ja in unserer  Tierheimzeitung, den Rest finden Sie in der Meldung des Tierschutzbundes - einfach auf "weiter" klicken.

Aktion Ponyrettung

Am 30. August 2007 wurde gegen 20.30 Uhr an der Rastanlage Feucht ein Tiertransporter, beladen mit Shetlandponys, überprüft. Ausgangspunkt war Groningen, Niederlande. Empfängerort: S. Giorgio Lucano, Italien.

Bei der Überprüfung des Fahrzeugs stellte sich heraus, dass sich statt der angegebenen 56 Ponys, 108 Tiere in dem Fahrzeug, auf einer Fläche von 60 Quadratmetern, befanden. Es wurden lediglich 62 Pferdepässe mitgeführt. Eine Überprüfung ergab, dass nur 22 dieser Pässe mit den Transpondernummern der Pferde übereinstimmten.

Die Tränkanlage des Fahrzeugs war ohne Funktion, im Laderaum befand sich kein Futter.

Eine Sachkundebescheinigung und einen Transportplan konnte der italienische Fahrer nicht vorweisen. Die Tiere waren zum Zeitpunkt der Kontrolle schon seit mindestens 20 Stunden unterwegs.

Die Shetlandponys wurden durch die Polizei nach Bernlohe (Landkreis Roth) auf eine private Pferdekoppel verbracht. Dort verstarb eines der Tiere, zwei weitere wurden von der Koppel in der Nacht vom 6. auf den 7. September 2007 gestohlen.

Abschiebung der Ponys drohte

Aus seuchenschutzrechtlichen Gründen (durch die fehlenden Equidenpässe war die tatsächliche Herkunft unbekannt) strebte das bayerische Umweltministerium die Rückführung der Ponys nach Holland an.

Da der Pflegezustand bei allen Tieren schlecht war (Abgemagertheit, teilweise stark ausgeprägte Hauterkrankungen, eitriger Nasen- und Augenausfluss, Verwurmung, durch mangelhafte Hufpflege verursachte Funktionsstörungen im Bewegungsablauf, eitrige Zähne…) waren die Tiere aber größtenteils nicht für eine solch weite Strecke transportfähig.

Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landesverband Bayern e.V. schalten sich ein. Um die drohende Abschiebung der Ponys in eine ungewisse Zukunft zu verhindern, fordern die Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes und des Landesverbandes Bayern, Wolfgang Apel und Berthold Merkel, mit Schreiben vom 4. September den damaligen Umweltminister Dr. Werner Schnappauf auf, den Verbleib der Ponys in Bayern zu sichern.

Ponys kommen in die Hände des Deutschen Tierschutzbundes

Die Vizepräsidentin des Landesverbandes Bayern und 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises Garmisch-Partenkirchen e.V., Tessy Lödermann, suchte in ihrem Heimatlandkreis fieberhaft nach einem Stall, in dem die gesamte Herde unter strenger Quarantäne untergebracht werden konnte.

Am 6. September wurde sie fündig. Tassilo Fischer, der die ehemalige Außenstelle des Staatsgestüts Schwaiganger, Acheleschwaig bei Saulgrub, gekauft hatte, bot ihr einen 500 Quadratmeter großen, leer stehenden Stall an. Das Veterinäramt Garmisch-Partenkirchen bescheinigte die Eignung als Pferdequarantäne.

Nach vielen Verhandlungen gab Präsident Berthold Merkel für den Tierschutzbund Bayern gegenüber dem Landratsamt Roth die schriftliche Zusage ab, dass ab Übergabe die Kosten für die Ponys vom Landesverband übernommen werden. Dann genehmigte das Landratsamt Roth am Abend des 6. September die Überführung der Ponys nach Acheleschwaig und stellte eine Transportfähigkeitsbescheinigung bis zu vier Stunden aus.

Bereits am Mittag des 7. September trafen drei große Tiertransporter in Acheleschwaig ein, wo die 99 Tiere (sechs befanden sich noch in der Tierklinik im Landkreis Roth) von Tierärzten, dem Veterinäramt und vielen freiwilligen Helfern in Empfang genommen wurden. Tessy Lödermann: „Als die kleinen Ponys aus den Transportern kamen, sind bei uns erst einmal Glückstränen geflossen. Alle Verhandlungen hatten sich gelohnt, sie waren in Sicherheit.“

Intensive Pflege der kranken Tiere notwendig

Bei den Tieren handelte es sich zu 80 Prozent um erst einige Monate alte Fohlen, die viel zu früh von den Stuten abgesetzt wurden. Daher fehlte ihnen die Immunisierung durch die Stutenmilch. Die erwachsenen Tiere (darunter eine Stute mit Fohlen und zwei tragende Stuten) waren „Tierschutzfälle“. Aufgrund der massiven gesundheitlichen Probleme, aber auch des psychischen Zustandes (große Ängstlichkeit) war von Anfang an die intensivste Betreuung der Tiere notwendig.

Die ersten Wochen musste täglich jedes Tier tierärztlich behandelt werden (Fiebermessen, Antibiotikagaben, Entwurmung). Vom Veterinäramt wurde eine strenge Seuchenquarantäne verhängt. Neun Tiere mussten eingeschläfert werden (Darmverschlingung, Lungenentzündungen). Sie wurden pathologisch untersucht. Tessy Lödermann, die täglich vor Ort war und ist: „Die Aktion Ponyrettung bereitete uns alle harte Tage und schlaflose Nächte. Immer wieder gab es Rückschläge und Bangen vor den Ergebnissen der Laboruntersuchungen.“

Die Tierärzte und Pfleger hatten monatelang mit ständigen Massenerkrankungen zu kämpfen, was an der Vorgeschichte und an der Tatsache lag, dass ein derartig großer Tierbestand in einer geschlossenen Quarantäne wohl einmalig ist.

Sieben Auszubildende der Hufpflegeschule des Staatsgestütes Schwaiganger pflegten unter Aufsicht von Herrn Dr. Remler einen ganzen Tag lang (gegen eine Brotzeit) die Hufe aller Tiere. 400 Hufe an einem Tag!

Nach einer Vielzahl von Bluttests und Kotproben hob das Veterinäramt vergangene Woche die strenge Quarantäne auf.

Seit 7. September sind Helfer des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen, das Veterinäramt sowie Pferdetierärzte und ein Pferdepfleger, die vom Tierschutzbund Bayern bezahlt werden, mehr als zehn Stunden täglich mit der Versorgung der Tiere beschäftigt. Unter anderem müssen schwache Ponys und Tiere mit Zahnproblemen mehrmals täglich mit der Hand gefüttert werden.

Alle Tiere sind inzwischen gechipt, damit Pferdepässe ausgestellt werden können.

Familienzusammenführung in Acheleschwaig

Anfang Oktober wurden die sechs Ponys aus der Tierklinik in Roth nach Acheleschwaig gebracht. Am 10. Oktober trafen die beiden gestohlenen Ponys, Max und Moritz, die die Polizei aufgefunden hatte, bei der Herde ein.

Besitzer melden sich nicht - Ponys im Eigentum des Tierschutzbundes Bayern

Das Landratsamt Roth stellte sowohl dem Absender in Holland wie auch dem Empfänger in Italien Bescheide zu. Diese sollten erklären, ob sie Eigentümer der Tiere seien und sie ihr Eigentumsrecht (unter Bezahlung der entstandenen Kosten) geltend machen würden. Dies taten sie nicht.

Mit Bescheid des Landratsamtes Roth vom 10. Dezember ging nun das Eigentum an den Ponys auf den Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Bayern über.

Wie werden die Ponys vermittelt?

Es liegen beim Tierschutzbund bereits weit über 400 Anfragen für die Ponys vor. Die Ponys werden nicht über das Tierheim Feucht vermittelt, sondern über den Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Bayern. Interessenten können sich per Fax an 089/4126592302 melden.

Die Tiere werden nur an absolut tierschutzgerechte Plätze (falls noch kein Pony vorhanden ist, nur zu zweit) nach Vorkontrolle, über einen Schutzvertrag abgegeben.

In diesem Vertrag müssen sich die Übernehmer unter anderem verpflichten,

  • dem Tier bis an sein Lebensende eine artgerechte, liebevolle Haltung und Pflege zu sichern,
  • es nicht zu schlachten oder weiterzugeben,
  • die tierärztliche Versorgung zu gewährleisten,
  • es nicht zu Versuchs-, Turnier-, Schau-, Schulverleih- oder Zuchtzwecken zu verwenden,
  • dem Tierschutzverein jederzeit Auskunft über den Zustand und den Aufenthaltsort zu erteilen.


Die zu entrichtende Schutzgebühr richtet sich nach dem Alter, dem Gesundheitszustand und den vom Übernehmer aufzuwendenden Pflegemaßnahmen.

Die Tiere werden nun nach und nach abgegeben, soweit es ihr Gesundheitszustand zulässt. Es wird mit der Vermittlung in der näheren Umgebung begonnen, um zum einen lange Transportwege zu vermeiden und zum anderen den Kontakt mit den neuen Besitzern halten zu können.

Alle Bewerber, die sich gemeldet haben, werden nach und nach angeschrieben bzw. angerufen, soweit jeweils Ponys schon abgabefähig sind.

Die ersten Ponys verlassen die Herde

Das erste Pony wurde am 5. Dezember abgeholt. Die tragende Stute „Püppi“ ging an die Tierpflegerin, die sie in der Tierklinik Röttenbach gepflegt und sich unsterblich in die kleine Scheckstute verliebt hatte.

Am Wochenende werden zehn weitere Tiere Acheleschwaig verlassen.

Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 25. December 2007 )