Die Erfolgsstory von Sandy
Monday, 16. June 2003

Die Erfolgsstory von Sandy

 

 

Hallo Tierfreunde,

 

erkennt Ihr mich noch?

Ich war mal ein Fotostar auf der Homepage des Tierheims in Feucht und des Collie- und Sheltie-in Not-Vereins!

Wer hier ab und zu im Internet vorbeigeschaut hat, wird mich und meine traurige Geschichte sicherlich kennen.

Als Welpe war ich eigentlich für Laborzwecke gezüchtet worden, wovon mich zum Glück das Eingreifen des Tierschutzvereins bewahrt hat! Diese Phase meines Lebens hat mein Vertrauen in den Menschen schwer erschüttert. Dann wurde ich weitervermittelt und landete aber leider nach wenigen Monaten wieder im Tierheim. Zu meinem größten Unglück hat sich das ganze Spiel auch noch ein zweites Mal wiederholt.

Als ich nun zum dritten Mal im Oktober 2002 im Tierheim Feucht gelandet bin, dachte ich, hier werde ich nun wohl für immer bleiben. Dabei war ich noch nicht einemal zwei Jahre alt und eine absolute Schönheit!

Als sich dann am 19.12.2002 morgens meine Zwingertüre öffnete, habe ich gar nicht gemerkt, dass ein Zettel dort klebte: "für Sandy kommen Interessenten aus München". Ich dachte, es ist mein normales morgentliches Gassigehen, wo mich immer liebe Tierfreunde eigens deshalb abholen.

Aber, ganz ehrlich, die Frau habe ich vorher noch nicht gesehen und dann hat sich zum Spaziergang noch ein Ehepaar gesellt - ihre Eltern -, die ich auch nicht kannte. Aber eines habe ich von Anfang an gemerkt: die kennen sich aus mit Hunden und an der Kleidung konnte man auch noch den Geruch eines anderen Hundes feststellen. Der Spaziergang war echt klasse, die haben sogar mit mir gespielt und rumgetollt, obwohl ich zu fremden Menschen - speziell zu Männern - eigentlich überhaupt kein großes Vertrauen habe!

Als ich dann 1 Stunde später wieder in meinen Zwinger gebracht wurde, habe ich mir schon gedacht - ok, das war's wieder, vielleicht kommen die ja jetzt öfter mal vorbei. Aber dann ging eine halbe Stunde später die Zwingertüre wieder auf und ich wurde in das Zimmer von Frau Binder gebracht und siehe da, hier saß ein Teil dieser Leute wieder! Jetzt war ich vollständig verwirrt. Dann haben sich noch einige Gassigeher, die mich häufig abgeholt haben, von mir verabschiedet, was mich ganz konfus gemacht hat.

Aber dann begann ein neuer Abschnitt meines Lebens. Ich kann das bis heute noch nicht vollständig glauben und an manchen Tagen kehrt meine Angst zurück, dass dieser Zustand nicht lange dauert.

Ich wurde also ins Auto mitgenommen und dann ging es auf eine längere Autofahrt. Das erste angesteuerte Ziel war ein Parkplatz im Wald, wo ich erst einmal meine neue Umgebung in Ruhe begutachten konnte und zugleich meinen zukünftigen Spielgefährten Nicki (ein 9-jähriger Brackenrüde) kennengelernt habe. Der gehört nämlich der Schwester meiner neuen Besitzerin und man kann gut mit ihm spielen. Dort im Wald haben wir dann noch einige meiner neuen Hundefreunde getroffen und ich muß sagen, die neue Gegend ist nicht schlecht.

Dann habe ich mein neues Zuhause kennengelernt. Dort riecht alles irgendwie noch nach Hund, aber finden konnte ich keinen mehr. Wie mir erzählt wurde, war das meine Vorgängerin und sie ist im November im Alter von 16 1/2 Jahren gestorben. Ob ich wohl auch mal so uralt werde?

Da meine Vorgängerin doch ein ganzes Stück größer war als ich, bekam ich viele neue Dinge (ein neues Bettchen, ein neues Halsband und vieles mehr). Was ich allerdings behalten durfte, war das große Reiskissen meiner Vorgängerin. Wenn ich richtig gut drauf bin, zerre ich es durch die Gegend, was um mich herum immer Gelächter auslöst. Meine neue Besitzerin sagt sowieso immer, ich sei ein richtiger Clown. Dabei müßte sie sich mal selbst beobachten, wie sie aussieht, wenn ich versuche, ihr aus Übermut beim Gassigehen die Schürsenkel ihrer Schuhe aufzumachen! Ansonsten bin ich ein sehr folgsamer Hund und einige neue Sachen habe ich auch schon ganz schnell gelernt, was mir auch richtig Spaß macht.

Das einzige, vor was ich so richtig Angst habe, sind Knallfrösche und Männer mit Hut in langen dunklen Mänteln. Gottseidank ist Sivester vorbei, aber ab und zu gehen noch so Dinger hoch, was mich irgendwie an meine versaute Kindheit erinnert. Meine neue Familie hat dafür viel Verständnis und beruhigt mich dann ganz fest und sagt mir dann, dass mir nichts mehr passieren wird.

Ansonsten fühle ich mich absolut wohl hier in meinem neuen Zuhause. Hier ist es ziemlich ruhig und es ist immer jemand da, der sich um mich kümmert. Ich darf fast überall mitgehen und werde so gut wie nie alleine zuhause gelassen, was mir als Hütehund natürlich am besten gefällt. Die meiste Zeit liege ich auf dem Rücken, alle vier Beine in die Höhe, auf meinem Kissen oder in meinem Bettchen und hoffe, dass mich jemand knuddelt und das Schöne ist - das klappt auch.

Da ich als Collie natürlich auch viel Auslauf benötige, darf ich morgens und nachmittags ganz lange Spaziergänge im Wald machen, der nicht weit von meinem neuen Zuhause ist. Da bin ich manchmal ganz schön erledigt, besonders wenn ich alleine mit meiner neuen Besitzerin unterwegs bin. Die hat vielleicht eine Marschgeschwindigkeit! Jetzt wo der Schnee so schön liegt, geht sie mit mir auch immer extra zum Spielen auf eine große Wiese und wir machen allen möglichen Blödsinn.

Ich freue mich schon drauf, wenn ich im Herbst mit meinem neuen "Rudel" in den Urlaub nach Dänemark fahren darf. Meine Vorgängerin hat diese Urlaube heiß geliebt und mir wurde versprochen, dass ich dort ebenso viel Spaß haben werde. Da wird auch mein Spielgefährte Nicki mitfahren und wir werden dort den Strand unsicher machen.

Damit Ihr mal seht, wie gut ich es getroffen habe, schicke ich Euch ein paar Fotos von mir. Behaltet mich in lieber Erinnerung!

Ab hier erzählt nun Sandys Rudelführerin weiter:

Sandy hat sich zwischenzeitlich zu einer recht selbstbewusten Hundedame gewandelt - von Angst keine Spur mehr, keine angelegten Ohren. Sie läßt sich zwischenzeitlich bereits schon von fremden Menschen streicheln und sogar wenn bei uns Besuch kommt, den sie nicht kennt, ist sie nach kurzer Zeit bereit, sich anfassen zu lassen.

Das einzige, was wir noch nicht ganz beheben konnten, ist ihr für Collies unüblicher Jagdtrieb (vor allem für dieselbetriebene Fahrzeuge und Autos mit Anhäger!), wobei wir auch hier schon wesentlich weiter sind. Daran werden wir noch einige Zeit arbeiten müssen. Im Moment können wir sie daher nur an ganz sicheren Stellen von der Leine lassen.

Um ihren enormen Bewegungstrieb zu stillen, darf sie mit uns Radfahren (sie geht wunderbar am Fahrrad) und ganz lange Spaziergänge machen und, was für Collies auch nicht normal ist, mit uns schwimmen gehen. Sandy ist eine absolute Wasserratte! Auch Bergtouren machen ihr riesig Spaß.

Sandy ist absolut leicht zu handhaben und folgt sehr gut (bis auf's Jagen). Wir können überhaupt nicht verstehen, warum das arme Tier zweimal zurückgegeben wurde. (Wir geben sie jedenfalls nicht mehr her, das ist ganz sicher!!!)

Und weil ich nun so ein taffes Hundmädel geworden bin, darf ich seit diesem Sommer was ganz Tolles machen: einmal in der Woche gehe ich in einer Hundeschule, die mit positivem Bestärken arbeitet, in einen Agility-Kurs. Das ist jedes Mal ein Riesenspaß! Auch hier habe ich vor gar nichts Angst – im Gegenteil – ich war eine der wenigen Hunde, die völlig ohne Probleme gleich durch die Röhre und über den Steg gesaust ist, die anderen haben da schon mehr gezögert. Am meisten Spaß macht es mir, wenn wir viele Geräte nacheinander durchlaufen, also einen Parcour setzen. Da kann ich gar nicht erwarten, bis ich endlich losrennen darf. Hinterher bekomme ich ohnehin ein dickes Lob und ein Leckerli obendrauf.

Natürlich kommt auch das Spielen mit den anderen Hundefreunden nicht zu kurz. In der Hundeschule habe ich viele schöne Hundebekanntschaften gemacht und zwischen der Arbeit ist immer ein bisschen Platz zum Toben.

Kurzum – ich hab’s toll erraten (war ja auch an der Zeit!) und mein neues Rudel ist mir ganz zufrieden und ich natürlich erst recht!

Fortsetzung vom 29.12.05

Bergham, 15.12.2005
Liebes Tierheim Feucht,
wie Sie ja wissen, denke ich gerade Weihnachten besonders intensiv an das Tierheim in Feucht . . . Sandy ist jetzt dann genau 3 Jahre bei uns (unglaublich, wie die Zeit vergeht).
Trotz der permanenten unterjährigen Kontakte mit dem Tierheim - die ich übrigens sehr schön finde, manchmal kann man auch über größere Distanzen etwas bewegen und es ist schön, jemand zu wissen, mit dem man auch Sorgen und Nöte aus dem Tierreich besprechen kann und wenn es nur darum geht, weitere Ansprechpartner zu finden - möchte ich es natürlich nicht versäumen, allen, die es interessiert von Sandy's drittem Jahr in unserer Familie zu erzählen.
Nach einem sehr strengen Winter 2004/2005 mit Unmengen von Schnee waren unsere Hundeplätze so unbrauchbar, dass die Frühjahrsprüfungen für die Begleithunde ausfallen mussten. Da Sandy aber ziemlich fit war, versuchte ich es in anderen Vereinen - dort wurden die Prüfungen dann wegen zu geringer Teilnahme abgesagt . . . kurzum es dauerte dann bis Mitte August, bis wir endlich unseren Teilnahmeplatz hatten. Hund und Hundeführer waren mehr als nur aufgeregt, schafften es aber dann doch gleich beim ersten Anlauf mit 51 Punkten (von 60). Auch der Verhaltenstest war für Sandy kein Problem. Mit der Urkunde in der Tasche konnten wir jetzt neue Welten erobern . . . . . . . .
Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde Sandy von meinem Tierarzt an Hüfte und Ellenbogen geröntgt, damit auch die gesundheitliche Tauglichkeit des Hundes für den Agility-Sport ganz sicher feststand (sonst hätten wir uns auf Obidience beschränkt, denn die Gesundheit des Tieres hat absoluten Vorrang!). Nachdem hier absolut keine Bedenken bestanden, konnten wir unsere ersten Turniere beginnen . . . . .

Und nach Platzierungen in den ersten beiden Turnieren im Mittelfeld (7. Platz, 11. Platz) hat Sandy bereits im dritten Turnier gezeigt was in ihr steckt:
        wir konnten mit    Platz 2   von   23 Hunden   unseren ersten Pokal mit nach Hause nehmen (A1-Jumping)!


Ich war wirklich mächtig stolz auf mein Collie-Mädel, wie cool und konzentriert sie ihre Aufgabe bewältigte. Selbst Hunde, die von klein an auf ihre Aufgaben im Agility vorbereitet werden und von Anfang an den Trubel der Tunierwelt gewöhnt sind, brauchen oft viel, viel länger, um einen Spitzenplatz zu ergattern. Ich muss oft in mich hineinschmunzeln, wenn ich Sandy so beobachte, wie locker der Hund geworden ist. 

Eine Woche später traten wir dann im Verein nochmals zur Begleithundprüfung an  - diese Prüfung brachte uns den nächsten Pokal:
        Platz 1   von   12 Paaren
Leider war die Saison dann vorbei . . . . .
Die beiden Pokale haben ein weiteres Plus zur Selbstsicherheit von Sandy beigetragen, denn ein Tier hat eine sehr feine Antenne dafür, was das ganze bedeutet. Die rassebedingte Persönlichkeit hat sich zwischenzeitlich voll entfaltet und Sandy  hat sehr schnell entdeckt, dies als Manipulationsmöglichkeit einzusetzen. Ansonsten ist sie eine absolute "Schmusekatze" und  - seit 1 1/2 Jahren - auch ein absoluter "Freßsack". Bei Übernahme von Sandy aus dem Tierheim wurde mir schon gesagt, sie sei etwas heikel, was auch ablolut stimmte. Heute fällt sie über ihre Futterschüssel her, als wenn sie 3 Wochen hätte hungern müssen - egal was im Topf ist. Das ist für mich ein Zeichen (das war auch bei ihrer Vorgängerin so), dass der Heilungsprozeß der Psyche nun vollständig abgeschlossen ist. Jetzt passen alle Teile des Puzzels wieder zusammen - Sicherheit - artgerechte Haltung - Appetit. 
Über den Winter, in dem Agility wegen der Witterungsmöglichkeiten so gut wie ausgeschlossen ist bei uns im Voralpenland (eine Trainigsmöglichkeite in einer Reithalle steht uns leider nicht zur Verfügung), arbeite ich wieder verstärkt mit Sandy in Obidience weiter. Ich bin  seit Herbst im Verein zwischenzeitlich selbst Kursleiter einer Obidiencegruppe und es macht - das muss ich wirklich sagen - ungeheuer viel Spaß, mit den Haltern und ihren Tieren zusammenzuarbeiten und die Fortschritte zu beobachten.
Ich hoffe also, dass ich auch für das nächste Jahr viele schöne Neuigkeiten zu berichten habe.
In diesem Sinne möchte ich allen, die mit dem Tierheim und dem Tierschutz verbunden sind ein frohes Weihnachtsfest wünschen - keine Hunde, Katzen und Kleintiere unter dem Weihnachtsbaum, die dann wieder abgegeben werden - und einen guten Start in das neue Jahr 2006!
Viele liebe Grüße Brigitte Baumgartern mit Familie

Letzte Aktualisierung ( Saturday, 9. September 2006 )